Kurz gesagt: Ja – mehrere Studien zeigen, dass regelmäßiges Musizieren Kindern hilft, sich besser und länger zu konzentrieren. Besonders Kinder mit Konzentrationsschwächen profitieren davon. Ein Instrument zu lernen trainiert genau die Fähigkeiten, die auch in der Schule gebraucht werden: zuhören, dranbleiben, eine Sache zu Ende bringen. Musik ist dabei keine medizinische Therapie, aber eine der schönsten Arten, Konzentration ganz nebenbei aufzubauen.
Warum fällt es vielen Kindern heute schwer, sich zu konzentrieren?
Wenn dein Kind bei den Hausaufgaben nach fünf Minuten aufsteht, ständig abgelenkt ist oder eine Sache selten zu Ende bringt – damit bist du nicht allein. Viele Eltern erleben das gerade. Reize von allen Seiten, schnelle Bildschirme und wenig Stille machen es Kindern schwer, bei einer Sache zu bleiben.
Konzentration ist aber keine angeborene Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Sie ist wie ein Muskel: Sie lässt sich trainieren. Und es gibt kaum eine Tätigkeit, die das so natürlich tut wie das Lernen eines Instruments.
Was die Wissenschaft sagt
Die bekannteste Untersuchung dazu kommt aus Deutschland. Zwischen 1992 und 1998 begleitete ein Forscherteam um Prof. Dr. Hans Günther Bastian über sechs Jahre lang Kinder an Berliner Grundschulen mit erweitertem Musikunterricht – gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Kinder hatten zusätzlichen Musikunterricht, lernten ein Instrument und musizierten gemeinsam in Ensembles.
Die zentralen Ergebnisse:
- Konzentration: Verstärkter Musikunterricht half vor allem den Kindern mit den größten Konzentrationsschwächen – genau die Gruppe, um die sich Eltern am meisten sorgen.
- Soziales Miteinander: Die soziale Kompetenz verbesserte sich nachhaltig. In den musikbetonten Klassen gab es deutlich weniger ausgegrenzte Kinder.
- Keine schlechteren Schulnoten – im Gegenteil: Obwohl die Kinder mehr Zeit in Musik investierten, waren ihre Leistungen in Fächern wie Mathe, Deutsch und Englisch nicht schlechter, oft sogar besser.
Wichtig und ehrlich gesagt: Solche Studien zeigen Zusammenhänge, keine Wundergarantie. Musik macht aus keinem Kind über Nacht einen Musterschüler. Aber sie schafft die richtige Umgebung, in der Konzentration wachsen kann – freiwillig, mit Freude und ohne Druck.
Warum gerade ein Instrument so gut für die Konzentration ist
Wenn ein Kind ein Stück übt, passiert mehr, als man von außen sieht. Es muss gleichzeitig zuhören, lesen, die Finger bewegen und auf den Takt achten. Das ist hochkonzentrierte Arbeit – aber sie fühlt sich nicht wie Arbeit an, weil am Ende etwas Schönes entsteht.
Und genau das ist der Unterschied zu einem Konzentrationstraining am Schreibtisch:
- Sofortige Rückmeldung: Das Kind hört direkt, ob es klappt. Das motiviert dranzubleiben.
- Kleine Erfolge: Jedes gemeisterte Stück ist ein Erfolgserlebnis – das stärkt Geduld und Ausdauer.
- Ein Ziel vor Augen: Auf das nächste Vorspiel oder ein Lieblingslied hinzuarbeiten, lehrt, eine Sache über Wochen zu verfolgen.
Diese Fähigkeit – dranbleiben, bis etwas gelingt – nimmt dein Kind mit in die Schule und ins ganze Leben.
Welches Instrument passt zu meinem Kind?
Das hängt weniger vom Instrument ab als vom Kind. Eine grobe Orientierung:
- Klavier: Sehr gut für den Einstieg, weil man Töne und Zusammenhänge sofort sieht. Ideal für Kinder, die gern strukturiert lernen.
- Gitarre: Beliebt, vielseitig, schnelle erste Erfolgserlebnisse – gut für Kinder, die rasch „echte“ Lieder spielen möchten.
- Geige: Schult das Gehör besonders fein und fördert Genauigkeit.
- Baglama (Saz): Verbindet musikalische Förderung mit kultureller Verwurzelung – schön für Familien, denen diese Tradition am Herzen liegt.
Der beste Weg, das herauszufinden: ausprobieren. In einer Probestunde merkt man schnell, wo ein Kind aufblüht.
Häufige Fragen von Eltern
Ab welchem Alter kann mein Kind ein Instrument lernen?
Die meisten Kinder können ab etwa vier bis sechs Jahren beginnen. Für Jüngere gibt es spielerische musikalische Früherziehung. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern dass das Kind Lust hat.
Mein Kind hat ADHS – ist Musik dann überhaupt sinnvoll?
Ja, gerade dann kann ein Instrument wertvoll sein, weil es Struktur und Erfolgserlebnisse gibt. Musik ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung, kann sie aber gut begleiten. Sprich am besten mit deinem Kinderarzt und der Musiklehrkraft über das richtige Tempo.
Was, wenn mein Kind nach ein paar Wochen keine Lust mehr hat?
Das ist normal. Anfangsbegeisterung lässt nach, sobald das Üben Mühe macht. Genau hier hilft eine gute Lehrkraft, die das Kind durch dieses Tal begleitet – oft kommt die Freude danach umso stärker zurück.
Wie viel muss mein Kind üben?
Bei jüngeren Kindern reichen oft 10 bis 15 Minuten täglich. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer. Kurz und mit Freude schlägt lang und mit Zwang.
Musik erleben – bei Mosaik in Esslingen
In unserer Musikschule Mosaik in Esslingen am Neckar erleben wir jeden Tag, wie Kinder über die Musik ruhiger, konzentrierter und selbstbewusster werden. Wir unterrichten Gitarre, Klavier, Geige und Baglama – in einer Atmosphäre, in der nicht Leistung im Vordergrund steht, sondern die Freude am gemeinsamen Musizieren.
Wenn du neugierig bist, ob das auch deinem Kind guttäte: Komm einfach zu einer unverbindlichen Probestunde vorbei. Am besten findet man es heraus, indem man es ausprobiert.
Quelle: Bastian, H. G. (2000): „Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen“, Schott Music. Langzeitstudie 1992–1998, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

